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Du entwickelst sowohl Geschichten für eingeführte Serien als auch für eigene Figuren. Was macht mehr Spaß?
Ganz klar: Beides! Es ist toll, Rudi und Koffer von Siebenstein in neue Abenteuer zu schicken, Bibi Blocksberg frische Hexereien anzudichten oder Samson, Tiffy und Finchen Rätsel aufzugeben. Und dann erst die Anfrage Bully Herbigs "Wickie" zum Buch zu  machen. Das sind ja größtenteils Figuren, die ich selber in meinen Kindertagen verehrt habe. Schon damals habe ich viel Zeit damit verbracht zu denken: .... der müsste mal... oder ....lustig wär´s, wenn die... Natürlich haben andere genauso gedacht und vieles ist über die Jahre schon erzählt worden - das schränkt logischerweise ein.

...und bei Deinen eigenen Figuren?
Bei meinen eigenen Helden habe ich natürlich mehr Freiräume, da liegt alles in meiner Hand. Die können alles, dürfen alles und sind insgesamt so, wie ich ihnen das andichte. Dafür muss ich mir viel mehr Gedanken machen, ob der Hintergrund auch wirklich stimmt. Das haben bei den Serien ja schon andere abgeklopft.

Sechs Jahre hast Du als Kabarettist auf der Bühne gestanden. Kannst Du den Witz aus Deinen Geschichten überhaupt heraus halten?
Nein, das will ich auch überhaupt nicht! Wie viele Bücher gibt es schon, bei denen Kinder herzhaft lachen können? Ich kenne nur wenige. Mir macht es beim Schreiben am meisten Spaß, Situationskomik aufzubauen, skurrile Nebenfiguren auftauchen zu lassen und den Geschöpfen lustige Sätze in den Mund zu legen - aber bitte keine platten Witzchen! Dagegen war ich schon auf der Bühne allergisch! Am liebsten ist mir die richtige Mischung von Spannung und Pointen, das lockert auf.

Viele Menschen sind ja der Meinung, Kinderbuchautor wird man, wenn man für Erwachsene nicht gut genug ist...
Wer so was behauptet, hat weder vom Schreiben Ahnung, noch von Kindern. Ich kenne keine anspruchsvolleren Leser als Kinder. Ist eine Geschichte langweilig, schlafen sie spätestens nach zwei Seiten ein, oder gehen etwas zu Trinken holen und kommen nicht wieder. Erwachsene dagegen quälen sich oft genug bis zum Ende durch und sagen dann: Schlechtes Buch. Kinder sind da gnadenlos, und das ist wunderbar! Es gibt zu viele gute Bücher, um die Zeit mit schlechten zu vertrödeln.

Wann stand Deine Berufswahl fest?
Ich schätze mal, in dem Moment als ich "BUCH" sagen konnte. Meine Mutter als Buchhändlerin hat mich von klein auf mit reichlich Lesestoff versorgt. Da war die Aufnahmefähigkeit schnell überschritten - die meines Zimmers natürlich, nicht meine eigene!
In der dritten Klasse wollte dann meine Grundschullehrerin einen Aufsatz von mir an die Zeitung schicken, das scheiterte aber an dem Widerstand der anderen Eltern - keiner sollte bevorzugt werden. So ein Quatsch! Dabei war die Geschichte klasse, eine Sage, wie eine Bachschwinde im Sauerland entstanden ist. Da kam ein Drache drin vor und eine entführte Bauerstochter und der Bürgermeister. Hätte ich doch wenigstens das Heft aufgehoben! Heute wären diese Leute wohl sicher nicht mehr dagegen.
Vielleicht hat mir dieses Erlebnis aber den nötigen Elan gegeben, mich weiter mit Worten zu beschäftigen, meine Deutschnoten können es jedenfalls nicht gewesen sein...

Und nach der Schule entstanden die ersten Geschichten?
Nein, welcher 19jährige schreibt schon Kinderbücher? Ich hab Zivildienst gemacht und mich in der Welt umgesehen, lange Reisen nach Asien, Afrika und Mittelamerika unternommen. Von den Erlebnissen zehre ich heute noch; in den Ländern dort gibt es noch im Alltag jede Menge Magie, die auch Erwachsene gefangen nimmt. Bei uns ging die spätestens flöten, als der Rhein zum Kanal begradigt wurde. Die Schiffe bleiben nirgendwo mehr hängen, aber auch die Phantasie hat keine Möglichkeit mehr, sich an etwas zu entzünden.

Wann ging´s richtig los mit dem Schreiben?
Vor zehn Jahren, während des Publizistikstudiums, arbeitete ich nebenbei für eine Tageszeitung und radio ffn in Osnabrück. Da hab ich den ganzen Tag an Sätzen gefeilt und Sachen auf den Punkt gebracht. Nebenher begann ich zielgerichtet zu Schreiben, hauptsächlich für die Kabarett-Bühne. Eine sehr gute Schule! So ein Feedback gibt´s kaum wo anders. Ist dein Gag gut, wird gelacht. Ist er schlecht oder schlecht plaziert, ist der Saal still. Da habe ich wahnsinnig viel gelernt - eigentlich hätte ich das Publikum bezahlen müssen...
Danach ging´s eigentlich ganz schnell. Mein Einstieg beim Fernsehen war direkt die Sesamstrasse. Für die hatte ich einen Plot - also einen kurzen Handlungsrahmen - für eine Samson-Geschichte entwickelt. Die Geschichte wurde genommen und seitdem noch 20 weitere, teilweise verfilmt mit Hape Kerkeling, Marianne Sägebrecht, Dirk Bach und Markus Maria Profitlich.

Hast Du Deinen Traumberuf gefunden?
Absolut. Welcher Erwachsene traut sich schon, regelmäßig Kinderbücher zu lesen? Ich mache das fast jeden Tag, im Moment "Die schwarzen Brüder" und "Die rote Zora", zwei tolle Geschichten, obwohl sie überhaupt nicht lustig sind.
Außerdem fallen mir bei jeder Story, die ich schreibe, zehn neue ein. Für weiteren Nachschub sorgen außerdem meine drei Kinder und ihre Freunde. Am meisten arbeite ich also dann, wenn ich nicht am Schreibtisch sitze - Augen offen halten, Ohren spitzen und mich viel auf Spielplätzen, Bolzwiesen und im Kindergarten herumtreiben - so wird man Geschichtenerfinder!